„Was ist neuapostolisch?“ – Ein offener Gesprächsabend in der St. Marien Kirche Ribnitz

Unser Gemeindevorsteher durfte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ribnitz einen Einblick in unsere Kirche, Geschichte und Glauben geben.

Am Montag, dem 2. März, war unser Vorsteher eingeladen, in der evangelisch-lutherischen St. Marien Kirche in Ribnitz einen Gesprächsabend zum Thema „Was ist neuapostolisch?“ zu gestalten. Rund fünfzehn Interessierte waren der Einladung gefolgt. Auch wenn der Teilnehmerkreis überschaubar war, zeigte sich schnell, dass ein echtes Interesse an diesem Thema bestand. Die Atmosphäre war von Offenheit, Wertschätzung und ehrlicher Neugier geprägt.

Zu Beginn stellte sich der Referent zunächst persönlich vor. Anschließend wurden die Teilnehmer eingeladen, spontan Begriffe und Gedanken zu nennen, die sie mit der Neuapostolischen Kirche verbinden. Diese Stichworte wurden auf einem Flipchart gesammelt. Dabei kamen unter anderem Begriffe wie Ehrenamt, keine Kirchensteuer, Apostel, drittes Sakrament, jeden Sonntag Abendmahl, aber auch der kritisch gemeinte Begriff „Sekte“ zur Sprache. Ebenso wurden positive Eindrücke wie „tolle Gemeinschaft“ und „Verkündigung“ genannt.

Diese Sammlung bildete die Grundlage für den weiteren Verlauf des Abends. Schritt für Schritt griff der Referent die einzelnen Punkte auf und ordnete sie in einen größeren Zusammenhang ein.

Zunächst wurde ein kurzer Überblick über die Entstehung der Neuapostolischen Kirche gegeben. Ihre Wurzeln liegen in der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Auch wichtige historische Stationen, etwa das Hamburger Schisma von 1863 und die spätere Entwicklung der Kirche bis in die Gegenwart, wurden erläutert. Dabei wurden auch schwierige Kapitel der Kirchengeschichte, etwa die sogenannte „Botschaft“ von Stammapostel Bischoff, nicht ausgespart.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung der Kirche in der neueren Zeit. Hierzu gehören beispielsweise die Erarbeitung des Katechismus, die gegenseitige Anerkennung der Taufe mit anderen Kirchen, die ökumenische Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) sowie die Einführung der Frauenordination im Jahr 2023.

Großes Interesse fand auch das Amtsverständnis der Neuapostolischen Kirche. Das Apostelamt nimmt darin eine besondere Stellung ein, da es nach neuapostolischem Verständnis auf den Auftrag Jesu Christi zurückgeht. In diesem Zusammenhang wurde auch das sogenannte dritte Sakrament, die Heilige Versiegelung, erläutert. Gemeinsam mit der Wassertaufe bildet sie für neuapostolische Christen die Grundlage der „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“.

Ein weiterer Punkt war das Ehrenamt, das eine tragende Säule der Kirche darstellt. Die meisten Geistlichen üben ihren Dienst neben ihrem Beruf aus. Erst in den höheren Ämtern gibt es teilweise hauptamtliche Tätigkeiten.

Auch praktische Fragen wurden angesprochen. So verzichtet die Neuapostolische Kirche trotz ihres Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts bewusst auf die Erhebung einer Kirchensteuer. Stattdessen finanziert sich die Kirche durch freiwillige Opfer und Spenden ihrer Mitglieder.

Besonders interessant für viele Teilnehmer war die Gestaltung der Gottesdienste. Die neuapostolische Liturgie ist bewusst schlicht gehalten. Die Verkündigung erfolgt frei und ohne Manuskript, getragen von der Inspiration durch den Heiligen Geist. Ein zentraler Bestandteil jedes Gottesdienstes ist die Feier des Heiligen Abendmahls, das in der Neuapostolischen Kirche grundsätzlich in jedem Gottesdienst gefeiert wird.

Im Laufe des Abends wurde deutlich, dass bei aller Unterschiedlichkeit der kirchlichen Traditionen eine gemeinsame Grundlage besteht: der Glaube an Jesus Christus, die Heilige Schrift und das Ziel eines Tages bei Gott zu sein. Unterschiede in der Auslegung wurden nicht als Gegensätze verstanden, sondern als Ausdruck verschiedener theologischer Perspektiven.

Besonders erfreulich war eine Rückmeldung aus dem Kreis der Anwesenden: Die neuapostolische Gemeinde werde als eine Gemeinschaft erlebt, in der Geschwisterlichkeit und Zusammenhalt sichtbar werden. Dieses positive Zeugnis wurde dankbar aufgenommen.

Der Abend zeigte, wie wertvoll solche Begegnungen sein können. Im offenen Gespräch wurde deutlich, dass gegenseitiges Kennenlernen dazu beiträgt, Verständnis zu fördern und Vorurteile abzubauen.

Die neuapostolische Gemeinde bedankt sich herzlich für die Einladung und die Möglichkeit, ihren Glauben und ihre Tradition vorstellen zu dürfen.